Pflegetagebuch

Wofür?
Das Elfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) als Grundlage der sozialen Pflegeversicherung und die Richtlinien zur Ausführung beschreiben die Voraussetzungen für die Anerkennung von Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer Pflegestufe. Maßgebend ist der auf Dauer bestehende Hilfebedarf bei den Verrichtungen des täglichen Lebens. Bevor die Pflegekasse zum Leistungsantrag eine Entscheidung trifft, findet ein - vorher angemeldeter - Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) statt. Diesem kommt die häufig nicht einfache Aufgabe zu, den Umfang der Pflegebedürftigkeit festzustellen. So können z.B. behinderte Menschen Handlungen durchaus motorisch ausführen. Die Erkrankung erlaubt es ihnen jedoch nicht, den Sinn von Handlungen zu erfassen, sie selbständig umzusetzen und zu Ende zu führen. Dadurch entsteht ein sehr hoher Hilfebedarf. Beaufsichtigung und Anleitung sind oft permanent erforderlich. Der Gutachter ist auf Ihre Mithilfe angewiesen. Er benötigt Ihre Angaben über alle Hilfestellungen und Pflegeleistungen, die Sie am Tage und in der Nacht erbringen. Um Ihnen die Angaben zu erleichtern, hilft ihnen ein  Pflegetagebuch.

Leistungen der Behandlungspflege, wie z.B. Medikamentenabgabe, Verbände anlegen oder Blutdruckmessen fallen nicht unter die Zuständigkeit der Pflegekassen. Sie werden nicht als Pflegezeit anerkannt und sind deshalb auf den folgenden Tagebuchseiten nicht aufgeführt. Insgesamt sollten Sie das Tagebuch eine Woche lang führen. Die einwöchige Dokumentation wird dem Gutachter des Medizinischen Dienstes bei der Feststellung der maßgebenden Pflegestufe eine wertvolle Hilfe sein. Gleichzeitig haben Sie die Sicherheit, dass nichts vergessen wird.

Schauen Sie sich ein Pflegetagebuch-Beispiel an!

Die Körperpflege

Waschen - Duschen/Baden
Hierunter fällt das Waschen des Körpers, entweder unter der Dusche, in der Badewanne, am Waschbecken oder auch im Bett. Zum Waschvorgang gehören die erforderlichen Vorbereitungen (z.B. das Zurechtlegen der erforderlichen Utensilien wie Seife/Handtuch, das Einlassen des Badewassers sowie das Bedienen der Armaturen), der Waschvorgang selbst sowie das Abtrocknen und Eincremen des Körpers.  
Zahnpflege
Zur Zahnpflege zählt die Vorbereitung (z.B. das Öffnen und Schließen der Zahnpastatube einschließlich der Dosierung der Zahnpasta und das Füllen des Wasserglases), der Putzvorgang einschließlich der Mundpflege sowie die Reinigung von Zahnersatz.  
Kämmen
Dies umfasst das Kämmen und Bürsten der Haare entsprechend der individuellen Frisur. Das Legen von Frisuren (z.B. Dauerwelle) oder das Haare waschen oder -schneiden können nicht berücksichtigt werden. Eine Ausnahme kann dann vorliegen, wenn durch Erkrankungen oder durch deren Folgen regelmäßige Haarwäsche erforderlich ist. Trägt der Pflegebedürftige ein Toupet oder eine Perücke, so gehört zum Hilfebedarf das Kämmen und Aufsetzen des Haarteils.  
Rasieren
Rasieren beinhaltet wahlweise die Trocken- oder Nassrasur einschließlich der notwendigen Hautpflege. Bei Frauen wird hier die Gesichtspflege - mit Ausnahme des Schminkens - berücksichtigt.
Darm- und Blasenentleerung
Hierzu gehören die Kontrolle des Harn- und Stuhlganges, die Reinigung und Versorgung von künstlich geschaffenen Ausgängen sowie die notwendigen Handgriffe bei dem Hygienevorgang, das Richten der Kleidung vor und nach dem Gang zur Toilette, die Intimhygiene wie das Säubern nach dem Wasserlassen und dem Stuhlgang sowie das Entleeren und Säubern eines Toilettenstuhls bzw. eines Stechbeckens. Ebenso zählen das Anlegen bzw. Wechseln von Windeln dazu.

Die Ernährung

Mundgerechte Nahrungszubereitung
Hierzu zählen die Tätigkeiten, die zur unmittelbaren Vorbereitung dienen, wie die portionsgerechte Vorgabe, das Zerkleinern der zubereiteten Nahrungsmittel, z.B. das mundgerechte Zubereiten bereits belegter Brote, ebenso die notwendige Kontrolle der richtigen Essenstemperatur. Hierzu zählen nicht das Kochen oder das Eindecken des Tisches. Die Zubereitung von Diäten ist beim "Kochen" zu berücksichtigen.  
Nahrungsaufnahme

Hierunter fällt die Nahrungsaufnahme in jeder Form (fest, flüssig) sowie eine ggf. erforderliche Sondenernährung und die Verwendung bzw. der Umgang mit dem Essbesteck oder anderer geeigneter Geräte, um die Nahrung zum Mund zu führen, zu kauen und zu schlucken.

Die Mobilität

Aufstehen/Zu-Bett-Gehen
Das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen umfasst die eigenständige Entscheidung, zeitgerecht das Bett aufzusuchen bzw. zu verlassen. Hierunter fällt auch das alleinige Umlagern von bettlägerigen Pflegebedürftigen. Fällt das Umlagern in Verbindung mit anderen Verrichtungen an, so erfolgt die Zuordnung bei der jeweiligen Verrichtung. An- und Auskleiden
Das An- und Auskleiden beinhaltet neben notwendigen Handgriffen (z.B. das Öffnen und Schließen von Verschlüssen, das Auf- und Zuknöpfen sowie das An- und Ausziehen von Kleidungsstücken/Schuhen), die Auswahl der Kleidungsstücke entsprechend Jahreszeit und Witterung, die Entnahme der Kleidung aus ihrem normalen Aufbewahrungsort (z.B. Kommode oder Schrank) sowie die Überprüfung der Kleidung. Hierunter fällt auch das Anlegen von Prothesen oder Hilfsmitteln. Gehen/Stehen und Treppensteigen

Das Gehen, Stehen und Treppensteigen ist nur dann maßgebend, wenn es im Zusammenhang mit den genannten Verrichtungen der Körperpflege und der Ernährung erforderlich wird. Unter Gehen ist hier das Bewegen innerhalb der Wohnung (z.B. zum Waschen/Duschen/Baden oder zur  Toilettennutzung) zu verstehen. Bei Rollstuhlfahrern fällt hierunter der Hilfebedarf, der durch die Benutzung eines Rollstuhls erforderlich wird. Zum Stehen gehört nicht nur, diese Körperhaltung zu erreichen (Aufstehen), sondern diese auch über einen längeren Zeitraum zu bewahren. Das Treppensteigen beinhaltet das notwendige Überwinden von Stufen innerhalb der Wohnung. Das Gehen und Treppensteigen im Zusammenhang mit der hauswirtschaftlichen Versorgung ist als Hilfebedarf bei der Hauswirtschaft zu berücksichtigen.  
Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
Das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung ist maßgebend, wenn es im Zusammenhang mit Verrichtungen erforderlich wird, die für die Aufrechterhaltung der Lebensführung zu Hause unumgänglich sind und das persönliche Erscheinen des Pflegebedürftigen notwendig machen. Hierzu zählt das Aufsuchen von Ärzten, Inanspruchnahme ärztlich veranlasster Therapien, Apotheken und Behörden. Zeiten für das Verlassen/Wiederaufsuchen der Wohnung im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten (z.B. Spaziergänge, Besuche von kulturellen Veranstaltungen) sowie das Aufsuchen von Kindergärten, Schulen, Arbeitsplätzen oder Behindertenwerkstätten bleiben unberücksichtigt.

Die hauswirtschaftliche Versorgung

Verrichtungen der hauswirtschaftlichen Versorgung finden nur insoweit Berücksichtigung, wie sie sich auf die Versorgung des Pflegebedürftigen selbst beziehen. Die Versorgung möglicher weiterer Familienangehöriger bleibt unberücksichtigt. Einkaufen
Das Einkaufen beinhaltet auch das Planen und Informieren bei der Beschaffung von Lebens-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln, den Überblick, welche Lebensmittel wo eingekauft werden müssen unter Berücksichtigung der Jahreszeit und Menge, die Kenntnis des Wertes des Geldes (preisbewusst) und die Kenntnis der Genieß- und Haltbarkeit von Lebensmitteln sowie deren richtige Lagerung. Kochen
Zum Kochen gehört das Vor- und Zubereiten der Bestandteile der Mahlzeiten sowie das Aufstellen eines Speiseplanes für die richtige Ernährung unter Berücksichtigung des Alters und der  Lebensumstände. Hierzu gehört auch die Bedienung der technischen Geräte sowie die Einschätzung der Mengenverhältnisse und Garzeiten unter Beachtung der Hygieneregeln. Reinigen der Wohnung
Hierzu gehören das Reinigen von Fußböden, Möbeln, Fenstern und Haushaltsgeräten im allgemein üblichen Lebensbereich des Pflegebedürftigen sowie die Kenntnis von Reinigungsmitteln und -geräten ebenso wie das Bettenmachen. Spülen
Je nach Gegebenheiten des Haushalts fällt hierunter das Hand- bzw. maschinelle Spülen. Wechseln/Waschen der Wäsche/Kleidung
Hierzu gehört das Einteilen und Sortieren der Textilien, das Waschen, Aufhängen, Bügeln, Ausbessern und Einsortieren der Kleidung in den Schrank sowie das Bettenbeziehen.  
Beheizen
Das Beheizen umfasst auch die Beschaffung und Entsorgung von Heizmaterial.